In Schleswig-Holstein werden rund 1/3 der LF als Dauergrünland genutzt. Anders als bei Ackerkulturen, auf denen eine Kulturart steht, finden sich auf dem Dauergrünland unterschiedliche Pflanzenarten, verschiedene Gräser, Klee und Kräuter, es handelt sich also um Pflanzengesellschaften. Deren Zusammensetzung ist abhängig von vielen Faktoren, vor allem vom Standort (Boden, Grundwasserstand, Klima), von der Nutzung, von der Düngung und von der Pflege des Grünlandes.
Je intensiver eine Grünlandnarbe genutzt werden soll, desto höher muss der Anteil wertvoller Gräser mit hoher Futterwertzahl sein. Eine gute, d. h. dichte und ertragreiche Narbe im Sinne der Landwirtschaft besteht vorwiegend aus Deutschem Weidelgras, Wiesenrispe, Wiesenschwingel, Lieschgras, ggf. etwas Weißklee und einem Kräuteranteil, Hauptbestandsbildner sollte das Deutsche Weidelgras sein. Je nach Standort und Nutzung variieren die Anteile und kommen andere Arten hinzu.
Um Unkräuter gar nicht erst zum Zuge kommen zu lassen, muss alles getan werden, um eine tragfähige, dichte und ebene Grasnarbe mit einem hohen Anteil wertvoller Gräser zu erhalten:
- ausgewogene Nährstoffversorgung, standortoptimaler pH-Wert,
- intensive Weidepflege, z. B. abschleppen / striegeln, walzen bei Bedarf, nachmähen nach Weidegang,
- regelmäßige Nachsaat,
- Vermeiden von Fahrspuren,
- bei Nässe muss der Viehbesatz reduziert werden, damit die Narben nicht durchgetreten werden.
- Wechsel von Schnitt- und Weidenutzung zur Förderung eines ausgewogenen Verhältnisses von Ober- und Untergräsern,
- Anpassung der Schnitthöhe des Kreiselmähers an die jeweiligen Verhältnisse: bei Trockenheit oder Spätschnitt höher.
Durch diese Pflegemaßnahmen kann der Einsatz des chemischen Pflanzenschutzes auf dem Grünland stark eingeschränkt werden. Ferner sollten unerwünschte Einzelpflanzen und Horste rechtzeitig manuell oder chemisch bekämpft werden, ehe sie sich flächendeckend ausbreiten können. Das spart Kosten und schont die Umwelt.
Der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln auf dem Grünland (vorwiegend handelt es sich um Herbizide) sollte also in der Regel erst erfolgen, wenn alle anderen Maßnahmen nicht ausgereicht haben. Aber vor einer Behandlung muss grundsätzlich überlegt werden, warum auf einer Fläche bestimmte Unkräuter zu finden sind: ist die Fläche vernässt, verdichtet, extrem trocken, wie intensiv wird sie beweidet oder begüllt, reichen die Pflegemaßnahmen aus usw. Denn wenn, soweit es möglich ist, die Ursachen nicht beseitigt werden, kommen die unerwünschten Pflanzenarten immer wieder und Pflanzenschutzmaßnahmen sind nicht nachhaltig wirksam.
Beim Einsatz von Herbiziden ist zu beachten, dass die Wartezeit eingehalten wird: die Wartezeit ist die Zeit vom Tag des Herbizideinsatzes bis zum Tag des Mähens oder des Wiederauftriebes von Tieren auf die Fläche.
Abdrift in Gewässer oder z. B. Knicks muss unbedingt vermieden werden.
Nach der Behandlung sollten Lücken grundsätzlich durch Nachsaat geschlossen und die Pflegemaßnahmen intensiviert werden, damit die Wirkung einer Unkrautbekämpfung lange erhalten bleibt und chemische Folgemaßnahmen vermieden oder hinausgeschoben werden können.
Man muss sich auch dessen bewusst sein, dass auf naturnahen Grünlandflächen, die teilweise auch Naturschutzzwecken dienen und deren Bewirtschaftung durch Auflagen (Düngeverbot, Spätschnittauflage, Verbot des Einsatzes chemischer Pflanzenschutzmittel) geregelt ist, eine intensive Nutzung nicht möglich ist, weil die wertvollen Gräser dort nicht immer die optimalen Bedingungen finden. Hier können nur andere, extensivere Nutzungsformen praktiziert werden.
Aktuelle Informationen:
- Glyphosatauflagen VV207/208 Wiesen und Weiden/Stillegungsflächen (pdf-Datei)
- Grünland Herbizide Abstandsauflagen (pdf-Datei)
- Erläuterungen Grünland Herbizide Abstandsauflagen (pdf-Datei)
- Jakobskreuzkraut (pdf-Datei)
- Tipulawarnhinweis (II) (pdf-Datei)
- Einsatz der Grünlandherbizide-Übersicht (pdf-Datei)
Ansprechpartner:
Beraterdatenbank Pflanzenschutz
Fachartikel
Von: Dr. Constance Schleich-Saidfar, Landwirtschaftskammer
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Von: Dr. Constanze Schleich-Saidfar, Landwirtschaftkammer
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